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Forschung und Lehre an Hochschulen

„Männliche“ Forschung – „weibliche“ Lehre?
Konsequenzen der Föderalismusreform für Personalstruktur und Besoldung am Arbeitsplatz Universität

 

Das Forschungsprojekt LehrWert

wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union im Rahmen des Förderbereichs "Strategien zur Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen in Bildung und Forschung" in dem Programm "Frauen an die Spitze".

 

BMBF

 

ESF

 

EU

 

Projektlaufzeit: 01.06.2010 bis 31.05.2013

 

Aktuelles

+++ Dezember 2011 – Abschluss der Auswertung der rechtlichen Regelungen zu Besoldung und Gleichstellung (Verlinken mit den Synopsen unter „Dokumentation“)

+++ März 2011 - Abschluss der Erhebungsphase der Online-Befragung der universitären Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, Beginn der Datenauswertung

+++ März 2011 – Start der schriftlichen Erhebungen bei ausgewählten Universitätsleitungen

Projektziel

Das Ziel des Projektes ist es, Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der Einführung neuer Personalkategorien (Professuren mit Schwerpunkt Forschung- Forschungsprofessuren und Professuren mit Schwerpunkt Lehre - Lehrprofessuren) und universitären Geschlechterasymmetrien zu ermitteln. Forschungsleitende Grundannahme ist das vielfach belegte Reputationsgefälle (siehe Fragestellungen Punkt 2) zwischen Lehre und Forschung. Hierbei sollen auch die Einflüsse der reformierten Besoldung, insbesondere der flexiblen Leistungsbezüge Berücksichtigung finden.

Projektinhalte

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „LehrWert“ steht die Statusgruppe der Professorinnen und Professoren, insbesondere die neu eingeführten so genannten Lehr- und Forschungsprofessuren bzw. Professuren mit Schwerpunktsetzungen in Lehre oder Forschung.

Wichtige Voraussetzung für die Etablierung derartiger Professuren ist die Föderalismusreform von 2006, aus der u.a. die seitdem gestärkte Eigenregie der Bundesländer in personalbezogenen Angelegenheiten resultiert. Sie zeigt erste Konsequenzen bei den hochschulrechtlichen Regelungen: die Möglichkeit die Zuständigkeit für Berufung und Besoldung von den Landesministerien auf die Hochschulen zu übertragen, qua Hochschulgesetz stärker der Lehre verpflichtete Personalkategorien einzurichten bzw. Lehrdeputate zu erhöhen.

Fragestellungen

Die höhere Eigenständigkeit der Bundesländer und Hochschulen in personal- und besoldungsbezogenen Angelegenheiten wirft Fragen zur Wertigkeit von universitärer Lehre im Verhältnis zur Forschung auf, denen in dem Projekt „LehrWert“ auf folgenden Linien nachgegangen wird:

1. Ausdifferenzierung von Lehr- und Forschungsprofessuren

  • In welchem Ausmaß werden universitäre Stellenstrukturen um Lehr- bzw. Forschungsprofessuren erweitert?

  • Inwieweit reproduzieren diese neuen Stellen das Reputationsgefälle zwischen Forschung und Lehre?

  • Inwieweit erfolgt die Besetzung dieser Stellen geschlechterasymmetrisch („Weibliche“ Lehre – „männliche“ Forschung?)?

2. Reputationsasymmetrie und systemisch verankerten Höhergewichtung von Forschungs- gegenüber Lehrleistungen im wissenschaftlichen Selbstverständnis und in der universitären Praxis

  • Wird den Lehrleistungen des wissenschaftlichen Personals künftig ebenso viel Reputation zugeschrieben wie den Forschungsleistungen, wodurch alternative Anerkennungs- und Karriereoptionen generiert werden?

  • Wird die Lehre (noch) stärker von wissenschaftlichen Mitarbeiter/inne/n mit hohen Lehrverpflichtungen zu erbringen sein, wodurch deren Chancen für die Qualifizierung für die Forschung (weiter) sinken?

  • Inwiefern betrifft der Wandel der personalstrukturellen Rahmenbedingungen Professoren und Professorinnen in unterschiedlicher Weise: „Weibliche“ Lehre, „Männliche“ Forschung?

  • Eröffnen die (neuen) lehrorientierten Personalkategorien neue Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten gerade für Frauen?

3. Anerkennung von Lehr- und Forschungsleistungen über leistungsabhängige Besoldungselemente

  • Inwieweit bestehen Differenzen in der Anerkennung von Forschungs- und Lehraktivitäten im Rahmen der flexiblen Besoldung? (Nivellierung oder Verstärkung von Reputationsasymmetrien?)

  • Welche Rolle spielt Geschlecht bei der Bewertung und Honorierung besonderer Leistungen in Forschung und Lehre?

4. Rolle und Wirkung von Gleichstellungspolitik

  • Welche Rolle und Bedeutung kommt außeruniversitären gleichstellungspolitischen Akteuren und Institutionen zu?

  • Über welche Möglichkeiten der Einflussnahme verfügt die universitäre Gleichstellungspolitik?

  • Wie müsste eine gleichstellungspolitisch Erfolg versprechende Steuerung (Gleichstellungs-Governance) aussehen, damit sie zu einem Abbau der universitären Geschlechter- und Reputationsasymmetrie tatsächlich beiträgt?

Vorgehensweise und Methoden

Auf Grund des Neuheitsgrades der zu untersuchenden hochschulpolitischen Phänomene und der z.T. erst zeitgleich zu den realen Entwicklungen möglichen Ableitung forschungsrelevanter Fragestellungen trägt das Projekt den Charakter wissenschaftlicher Begleitforschung mit intensiver Eruierungs- und Sondierungsfokussierung in der Startphase. Es kommt ein Methodenmix der quantitativen und qualitativen empirischen Sozialforschung (Triangulation) zum Einsatz, von der Erfassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, des aktuellen Föderalismusdiskurses, ministerieller Rahmenvorgaben über Auswertung der Stellenanzeigen in Zeitschriften bis hin zu fachkulturellen Unterschieden und individuellen Berufsplanungen und -biografien sowie einen internationalen Vergleich.

Geplant sind folgende Untersuchungen

  • Bundesebene
    • Vergleichende Auswertungen der rechtlichen Grundlagen (LGG, LHG, LVV, Besoldungsregelungen: LBesG, Richtlinien der Universitäten)
    • Statistische Analysen von Strukturdaten des wissenschaftlichen Personals an Universitäten
  • Universitätsebene
    • Online-Befragung der universitären zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten
    • Schriftliche standardisierte Befragung von ausgewählten Universitätsleitungen
    • Persönliche problemzentrierte Interviews mit ausgewählten Universitätsleitungen
  • Individuelle Ebene – Lehr- und Forschungsprofessoren und -professorinnen
    • Berufsbiographische Interviews mit Professorinnen und Professoren, die auf Professuren mit dem Schwerpunkt Lehre oder Forschung berufen wurden

Projektteam
Dr. Anke Burkhardt
Institut für Hochschulforschung (HoF)
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Collegienstr. 62
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel. +49 (0) 3491 / 466-151
Mail: anke.burkhardt@hof.uni-halle.de

Dr. Karin Hildebrandt
Institut für Hochschulforschung (HoF)
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Collegienstr. 62
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel. +49 (0) 3491 / 466-245
Mail: karin.hildebrandt@hof.uni-halle.de

Dipl. Soz. Romy Hilbrich
Institut für Hochschulforschung (HoF)
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Collegienstr. 62
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel. +49 (0) 3491 / 466-142
Mail: romy.hilbrich@hof.uni-halle.de

Dipl. Soz. Robert Schuster
Institut für Hochschulforschung (HoF)
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Collegienstr. 62
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel. +49 (0) 3491 / 466-113
Mail: robert.schuster@hof.uni-halle.de

Doreen Trümpler (01.07.2010 - 30.06.2011)
Mail: doreen.truempler@hof.uni-halle.de

Christoph Schubert (ab 01.10.2011)
Mail: ch_schubert@gmx.de

Petra Dimitrova (ab 01.11.2011)
Mail: petra.dimitrova@hof.uni-halle.de

Publikationen der Projektmitarbeitenden

Bloch, Roland; Burkhardt, Anke (2010): Arbeitsplatz Hochschule und Forschung für wissenschaftliches Personal und Nachwuchskräfte (Böckler Arbeitspapier 207), Düsseldorf: http://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_207.pdf

Bloch, Roland; Burkhardt, Anke; Franz, Anja; Schulze, Henning; Schuster, Robert (2010): Entwicklung und Reform der Struktur des wissenschaftlichen Hochschulpersonals. In: Pasternack, Peer (Hg.): Relativ prosperierend. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die mitteldeutsche Region und ihre Hochschulen, Leipzig: Akademische Verlagsanstalt, S. 155-214.

Burkhardt, Anke (2010): Den Traditionen verpflichtet. In: DUZ Magazin 07/2010, S. 20f.

Dokumentation der aktuellen landesgesetzlichen Grundlagen zu den Kategorien des wissenschaftlichen Personals (Landeshochschulgesetze) und der Lehrverpflichtungsverordnungen in den einzelnen Bundesländern: http://www.hof.uni-halle.de/dokumentation/lehrverpflichtungen.htm

Anja Franz / Monique Lathan / Robert Schuster Skalenhandbuch für Untersuchungen der Lehrpraxis und der Lehrbedingungen an deutschen Hochschulen. Dokumentation des Erhebungsinstrumentes. 79 S.
HoF-Arbeitsbericht 4/2011: http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_4_2011.pdf
Zusammenfassung der Ergebnisse: http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_4_2011_zus.pdf

Anja Franz / Claudia Kieslich / Robert Schuster / Doreen Trümpler
Entwicklung der universitären Personalstruktur im Kontext der Föderalismusreform. 81 S.
HoF-Arbeitsbericht 3/2011: http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_3_2011.pdf
Zusammenfassung der Ergebnisse:http://www.hof.uni-halle.de/dateien/ab_3_2011_zus.pdf

Romy Hilbrich: „Männliche Forschung – weibliche Lehre?“ – ein neues Projekt am Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In: Wissenschaftlerinnen-Rundbrief (FU) Nr. 2/2011, S. 25-26.

Romy Hilbrich: Lehre, Forschung und Geschlecht im Spannungsfeld von Differenz und Hierarchie In: BdWi-Studienheft 8/2011, S. 39-41.

Karin Hildebrandt: Dokumentation der aktuellen landesrechtlichen Grundlagen zu den Kategorien der leistungsorientierten Besoldung der Professuren und der aktuellen Besoldungsgesetzgebung in den einzelnen Bundesländern: http://www.hof.uni-halle.de/dokumentation/besoldung.htm

Karin Hildebrandt: Dokumentation der aktuellen landesrechtlichen Grundlagen zu den Kategorien der gleichstellungspolitischen Rahmenbedingungen (Landesgleichstellungsgesetze) und der aktuellen Gesetzgebung für Hochschulen (Landeshochschulgesetzen) in den einzelnen Bundesländern: http://www.hof.uni-halle.de/dokumentation/gleichstellung.htm


Karin Hildebrandt: Neues Projekt zur Geschlechterforschung am HoF: „Männliche“ Forschung – „weibliche“ Lehre? In: ZtG – Bulletin Info, Heft 43, S. 10-12.

 

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letzte Aktualisierung: 14.03.2012 zurück home