Sonderhochschulen und Ressortforschung in der DDR

Nach der Implosion der DDR standen im Bereich der Wissenschaft(spolitik) die Akademie der Wissenschaften (AdW) und die allgemeinen Hochschulen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Daneben fand – wenn auch deutlich abgestuft und in eher wirtschafts‐ bzw. innovationspolitischer Perspektive – die breit aufgestellte Industrieforschung eine gewisse Aufmerksamkeit. Doch setzte sich das DDR‐Wissenschaftssystem nicht nur aus 53 Hochschulen, der AdW mit ihren 59 Instituten, der Industrieforschung einzelner Betriebe und den Forschungseinrichtungen (WTZ), die den Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) zugeordnet waren, zusammen: Zusätzlich gab es nach bisherigen Vorrecherchen

  • einerseits 29 Hochschulen in der Trägerschaft von staatlichen Stellen, Parteien und Massenorganisationen zur Befriedigung von Eigenbedarfen an Aus‐ und Weiterbildung – hier in Abgrenzung zum allgemeinen Hochschulsystem „Sonderhochschulen“ genannt;
  • andererseits 67 Ressortforschungseinrichtungen, davon 36 gesellschaftswissenschaftliche und 31 in den Bereichen Medizin, Naturwissenschaft und Technik – wobei der Begriff „Ressortforschung“ in der DDR ungeläufig war, hier aber verwendet wird, da es keinen zeitgenössischen Oberbegriff für die Ministerial‐ und SED‐Institute gibt.

Diese Sonderhochschulen und die Ressortforschungseinrichtungen sind bislang noch nicht systematisch dokumentiert. Vereinzelt liegen zwar Publikationen zu Einrichtungen vor, doch lässt sich darüber nicht das Gesamtfeld erschließen. Daher sind – neben der Auswertung vorhandener Publikationen – auch Recherchen in Archiven und bei Zeitzeugen zu unternehmen. Derart soll eine strukturierte Überblicksdarstellung in Form eines Handbuchs entstehen. Damit wird eine nach wie vor bestehende Lücke in der Dokumentation der DDR‐Wissenschaftsgeschichte geschlossen.

Zentrale Publikationen

Peer Pasternack: Fünf Jahrzehnte, vier Institute, zwei Systeme. Das Zentralinstitut für Hochschulbildung Berlin (ZHB) und seine Kontexte 1964–2014, BWV – Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2019, 497 S. ISBN 978‐3‐8305‐3951‐3. mehr...