DDR-Wissenschaftsbelletristik: Erschließung einer bislang unbeachteten sozialhistorischen Quellensorte

Es gilt als Trivialwissen, dass die DDR-Belletristik die Funktion einer Ersatzöffentlichkeit wahrgenommen hatte – sie habe hier übernommen, was die Massenmedien nicht leisteten. Das gilt auch für die DDR-Literatur, die den Wissenschaftsbetrieb und/oder das Wissenschaftsmilieu erzählerisch aufbereitet. Zwar gab es in der DDR keine Campusliteratur, wie sie etwa aus dem angelsächsischen Raum bekannt ist. Doch findet sich innerhalb der Literatur, die Probleme und Problembewältigungen des sozialistischen Aufbaus (seltener auch seiner stalinistischen Entgleisungen) und dann des weniger prätentiösen ‚revolutionären Alltags‘ gestaltete, ein Segment von 155 belletristischen Texten zum Wissenschaftsbetrieb und seinem Milieu. Die-
ses Segment wird in einem Handbuch aufbereitet. Auf diese Weise soll sowohl das Thema „Wissenschaft in der DDR“ über die einschlägige Belletristik erschlossen als auch exemplarisch verdeutlicht werden, welche – bisher ungenutzten – Informationschancen die DDR-Belletristik insgesamt für sozial- und herrschaftsgeschichtliche Untersuchungen bereithält