Kein Streitfall mehr? Halle-Neustadt fünf Jahre nach dem Jubiläum

Das hier vorgelegte Buch hat zwei Anlässe. Der erste: Die Gründung Halle‐ Neustadt hatte sich 2014 zum 50. Male gejährt. Zwar war das 50‐Jahres‐Jubiläum ein vornehmlich lokales Ereignis geblieben, obgleich das Entstehen der Plattenbaustadt für fast 100.000 Einwohner seinerzeit international beachtet und häufig mit der Niemeyerschen Umgestaltung Brasilias (1957– 1964, seit 1987 Weltkulturerbe) verglichen worden war. Doch immerhin brachte das Jubiläum 2014 eine deutliche Aufmerksamkeitssteigerung für die Probleme des Stadtteils – Schrumpfung, Segregation, Bildungsarmut und ein entsprechendes Image1 – mit sich.

Das Jubiläum wiederum jährt sich 2019 zum fünften Mal. Dieser Umstand erscheint geeignet, zwei Fragen zu stellen: Hat die 2014 erhöhte Aufmerksamkeit dazu geführt, dass eine größere Souveränität im Umgang mit den Problemen des größten Stadtteils Halles gewonnen werden konnte? Ließ sich seither für die zentralen Herausforderungen, vor denen die Neustadt stand und steht, ein produktiver Bearbeitungsmodus finden?

Der zweite Anlass: 2019 wird das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ gefeiert. Dabei gibt es eine bemerkenswerte Lücke. Das Jubiläum feiert die Prägungen des Designs und der Architektur, die heute noch als schick gelten. Die Radikalisierung des Neuen Bauens in Gestalt industriell errichteter Plattenbausiedlungen als das andere Erbe indes ist abwesend. Man mag hier vielleicht einwenden, dass in den Bauhaus‐Jahren 1919 bis 1933 kein solcher Großsiedlungsbau stattgefunden habe. Doch stünde diesem Einwand mindestens entgegen, dass der industrialisierte Wohnungsbau (auch) am Bauhaus vorgedacht wurde, so von Ludwig Hilberseimer, der dort seit 1929 Bauen und Planen lehrte.

Zitation

Peer Pasternack (Hg.): Kein Streitfall mehr? Halle-Neustadt fünf Jahre nach dem Jubiläum, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2019, 266 S.