Weiterbildung an DDR-Universitäten. Das Beispiel Humboldt-Universität zu Berlin

Weiterbildung und lebenslanges Lernen haben sich zu bildungspolitischen Schlüsselwörtern entwickelt. Gerade eine Wissensgesellschaft basiere auf beständigem Lernen, damit Forschung und Entwicklung nicht zum Stillstand kommen. Aber diese Einsichten führten im Rahmen der Hochschulreformen bislang nicht zu einem nennenswerten Innovationsschub im wissenschaftsorientierten Weiterbildungsmarkt. Vor allem Universitäten sind überfordert mit der Organisation der Weiterbildung oder kapitulieren schon im Vorfeld. Befürchtungen überwiegen oftmals gegenüber Chancen, auch weil in den Institutionen auf keine praktische Erfahrung zurückgegriffen werden kann.

Hierbei bietet diese Arbeit eine Hilfestellung, indem Funktionen, Abläufe und Schwierigkeiten des Weiterbildungssystems der DDR am Beispiel der Humboldt-Universität beschrieben werden. In der DDR wurde mit der so genannten Dritten Hochschulreform, die 1968/69 begann, auch die Weiterbildung an den Universitäten und Hochschulen völlig neu gestaltet. Die jährlichen Volkswirtschaftspläne der Universitäten enthielten neben der Ausbildung der Direkt- und Fernstudenten exakte Aufgabenstellungen bei der Weiterbildung. Diese fanden sich wieder als Ziele in den Plänen aller Universitätsebenen. Ähnlich wie heute oftmals gefordert, sollte die Weiterbildung gleichrangig mit der Ausbildung an den Universitäten sein.

Die Humboldt-Universität zu Berlin hatte als ‘Schrittmacher’ unter den Universitäten der DDR die neuen Prinzipien umsetzen. Sie schuf daher in der Folgezeit etappenweise die organisatorischen Voraussetzungen in der Struktur der Universität. Das bedeutete beispielsweise auf der Ebene der Universitätsleitung, dass ein spezielles gleichberechtigtes Direktorat für Weiterbildung eingerichtet wurde. Aber die Dritte Hochschulreform hatte auch viele Schattenseiten. Die Reformen führten zu einer Verbürokratisierung des gesamten Lehr- und Forschungsprozesses. Dies war in der DDR von staatlicher Seite oftmals beabsichtigt, um die staatliche Kontrolle der wissenschaftlichen Arbeit an Universitäten und Hochschulen zu verschärfen.

Die Weiterbildung an den Universitäten war sehr vielgestaltig und hing auch von den Angeboten der Disziplinen ab. In dieser Arbeit werden die verschiedenen Arten von Weiterbildungsmaßnahmen der Humboldt-Universität einer Darstellung und Analyse unterzogen. Näher betrachtet werden dabei von der Vielzahl der Weiterbildungsarten nur einige, die repräsentativ und charakteristisch nicht nur für die Weiterbildungsmodelle an der Humboldt-Universität, sondern in der DDR bis 1989 waren. Die Darstellung der historischen Weiterbildungsstrukturen und die Aufarbeitung der in der DDR gemachten Erfahrungen mit diesem System eröffnen den abschließenden Blick auf zu etablierende Strukturmodelle für Weiterbildungsangebote an europäischen Universitäten und Hochschulen.

Zentrale Publikationen

Johannes Keil: Und der Zukunft zugewandt? Die Weiterbildung an der Humboldt-Universität zu Berlin 1945-1989, Leipzig 2014, 358 S. 978-3-931982-89-8 mehr...

Artikel (Auswahl)

Johannes Keil (2012): Weiterbildung an DDR-Uni­ver­sitäten. Das Beispiel Humboldt-Uni­ver­si­tät zu Berlin, in: Peer Pasternack (Hrsg.), Hoch­schul- und Wissensgeschichte in zeithi­s­torischer Perspektive. 15 Jahre zeitgeschichtliche Forschung am Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg 2012, S. 82-84