Zweckfrei nützlich: wie die Geistes- und Sozialwissenschaften regional wirksam werden. Fallstudie Sachsen-Anhalt

Die Frage nach regionalen Effekten der Geistes- und Sozialwissenschaften erscheint der Mehrheit ihrer Vertreter/innen suspekt. In der Tat: In kognitiver Hinsicht gibt es keine regionalen Geistes- und Sozialwissenschaften. Doch da es regionale Gebietskörperschaften sind, welche die Grundfinanzierung der Hochschulen tragen, sollte man auf die Frage nach regionalen Wirkungen vorbereitet sein.

Um das etwas sperrige Thema “Regionale Relevanz der Geistes- und Sozialwissenschaften” angemessen zu erschließen, wurde ein Analysemodell entwickelt und dieses exemplarisch am Fall Sachsen-Anhalts durchdekliniert: Zum einen werden Ausstattung und Strukturen, Forschungsstärke, Studienerfolgsquoten, Transfertätigkeiten und spezifische Wertschöpfungsbeiträge sowie demografische Effekte erfasst und bewertet. Zum anderen werden die regionalen Entwicklungsbeiträge, die sich nicht unmittelbar quantifizieren lassen, qualitativ beschrieben.

Darüber hinaus bedarf eine angemessene Betrachtung der Geistes- und Sozialwissenschaften zweier Perspektiven, die parallel zu schalten sind: einer ‚verstehenden Innenperspektive‘ und einer funktionalen Außenperspektive. Die Innenperspektive erschließt die Sichtweise der Wissenschaftler/innen auf ihre eigenen Fächergruppen. Die funktionale Außenperspektive auf die Geistes- und Sozialwissenschaften macht regionale Entwicklungsbeiträge sichtbar, welche die Fachvertreter selbst in aller Regel nicht ins Feld führen – z.B. weil sie fürchten, einer ihrer Arbeit letzten Endes abträglichen Verpflichtung auf wissenschaftsexterne Nutzeneffekte das Wort zu reden.

Beide Perspektiven sind in dem hier vorliegenden Arbeitsbericht untersucht und am Beispiel Sachsen-Anhalt dokumentiert.

Zitation

Jens Gillessen / Peer Pasternack (2013): Zweckfrei nützlich: wie die Geistes- und Sozialwissenschaften regional wirksam werden. Fallstudie Sachsen-Anhalt (HoF-Arbeitsbericht 3/2013), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg, 124 S., ISBN 978-3-937573-34-2