Qualitätsstandards für Hochschulreformen

Nun müsse man noch „von der Studienreform zur Studienqualität“ gelangen, lautete 2012 das Resümee des Wissenschaftsrates nach über ei­nem Jahrzehnt Bologna-Reform in Deutschland. Diese Einschätzung war insofern be­merkenswert, als in der Rhetorik des Bologna-Pro­zesses Studienreform und Studienqualität nahe­zu als Sy­no­nyme verstanden wurden. Vergleich­bares lässt sich auch für andere Hochschulreformerfah­rungen der letzten zwei Jahr­zehnte fest­stel­len. Vor die­sem Hintergrund kann es sinn­voll sein, dass die Hochschulreformakteure ih­ren Fo­kus verschie­ben: von qualitätsorientierten Re­­formen hin zur Qualität solcher Re­for­men. Dann stellt sich die Frage nach Qualitäts­stan­dards für Hoch­schulreformen. Wie könn­ten sol­che Standards aussehen?
Um diese Frage zu beantworten, hat Peer Pa­ster­nack neun Hochschulreformen der zurückliegenden zwei Jahr­­zehnte auf ihre Reformqualitäten hin un­ter­sucht: den ostdeutschen Wissenschaftsumbau, die Neugestaltung des hochschulischen Entscheidungs­systems, die Einführung (und Abschaffung) von Studiengebühren, die Etablierung von Kennziffern und Indikatoren als Steuerungsinstrumente, die Ju­ni­orprofessur als neuen Weg der wissenschaftlichen Qualifikation, das Kontraktmana­gement qua Hochschulverträgen, die Exzellenzinitiative und die Föderalismusreform.

Im Ergebnis wird, um ein Gesamtbild des zurückliegenden Reformgeschehens zu gewinnen, eine vergleichende Bewertung der neun Reformen unternommen. Dies geschieht un­abhän­­gig von Wünschbarkeiten. Stattdessen liegen der vergleichenden Bewertung Ein­­schätzungen des realisierten Reformpotenzials zur Lösung der jeweils zuvor de­fi­nier­ten Pro­bleme zugrunde. Die Bewertungen werden also reformimmanent vorgenommen.

Zitation

Peer Pasternack: Qualitätsstandards für Hochschulreformen. Eine Auswertung der deutschen Hochschulreformqualitäten in den letzten zwei Jahrzehnten, UniversitätsVerlagWebler, Bielefeld 2014, 224 S. ISBN 3-937026-92-4, 978-3-937026-92-3.