Hochschulen, demografischer Wandel und Regionalentwicklung. Der Fall Sachsen-Anhalt

Der demografische Wandel fällt regional unterschiedlich aus. Um ihm angemessen zu begegnen, sind vornehmlich endogene Entwicklungspotenziale zu erschließen.

Zu diesen zählen in besonderem Maße die Hochschulen. Eines der am stärksten von demografischen Veränderungen betroffenen Bundesländer ist Sachsen-Anhalt. Die daraus folgenden Herausforderungen für die Hochschulen sind Thema der soeben erschienenen Studie.

Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland, das von demografischen Veränderungen in besonderem Maße betroffen ist. Der gleichzeitige Abschied von transfergetriebener Entwicklung (Rückführung von Finanztransfers und Sonderfinanzierungsmodalitäten) spitzt die Lage weiter zu. Allerdings sind diese Entwicklungen als sachsen-anhaltische (und ostdeutsche) Sondersituation unangemessen beschrieben. Vielmehr wird Schrumpfung in den nächsten Jahrzehnten auch in ganz Deutschland aktiv gestaltet werden müssen.

Um zentralen ökonomischen sowie nichtökonomischen Herausforderungen angemessen zu begegnen, werden vornehmlich endogene Entwicklungspotenziale zu erschließen sein. Als zentrale Schaltstellen der Regionalentwicklung gehören Hochschulen zu diesen Potenzialen. Zugleich sind Hochschulen die Orte, an denen weitere endogene Potenziale erzeugt werden.

Handlungserfordernisse bestehen im Hochschulsektor zum einen in den zentralen Leistungsbereichen der Lehre und Forschung, zum anderen hinsichtlich ihrer sogenannten Third Mission, also gesellschaftlichen Aktivitäten und Wirkungen.

In Lehre und Forschung ergeben sich Herausforderungen insbesondere hinsichtlich der Auslastung der Studienkapazitäten, der Bewältigung zunehmender Heterogenität der Studierendenschaft und der Sicherung wissenschaftlichen Nachwuchses für das Land. Um bestehende Leistungsreserven zu mobilisieren, erscheint zweierlei vordringlich: zum einen Organisations- und Personalentwicklungsanstrengungen zu unternehmen; zum anderen vorhandene Kooperationspotenziale mit den im Lande ansässigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen verstärkt zu nutzen.

Die Third Mission dürfte für Sachsen-Anhalts Hochschulen zu einem zentralen Thema ihrer Ressourcensicherung werden. Erwartungen, die sich diesbezüglich an die Hochschulen richten, betreffen vor allem drei Bereiche: die Sicherung des Fachkräftenachwuchses für die Region, Impulse zur Entwicklung regionaler Innovationsstrukturen und Beiträge zur Bewältigung nichtökonomischer regionaler Herausforderungen.

Die Studie stellt die Probleme dar und präsentiert Handlungsoptionen, wie ihnen begegnet werden kann. Letztere können Geltung auch über Sachsen-Anhalt hinaus beanspruchen.

Zitation

Thomas Erdmenger / Peer Pasternack (2011): Hochschulen, demografischer Wandel und Regionalentwicklung. Der Fall Sachsen-Anhalt. (WZW-Arbeitsberichte 2/2011), WZW Wissenschaftszentrum Sachsen-Anhalt, Wittenberg, 134 S.