Ein Jahrzehnt Hochschule-und-Region-Gutachten für den Aufbau Ost (2000-2010). Erträge einer Meta-Analyse

Der Aufbau Ost zielt unter anderem auf die Ertüchtigung der ostdeutschen Hochschulen, zur Entwicklung ihrer Regionen beizutragen. Ob und wie das gelingt, ist vielfach evaluiert und analysiert worden. Das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) hat jetzt 68 solcher Evaluationen, Gutachten und Studien ausgewertet.

Bis zum Jahr 2000 dominierten in und in Bezug auf Ostdeutschland optimistische Wachstumserwartungen das politische Handeln. Seit spätestens dem Jahr 2000 sind die Problemlagen unabweisbar, die sich mit den Stichworten demografische Schrumpfung durch Veralterung in Folge geringer Fertilität und Abwanderungsmobilität, Produktivitätsrückständen und Unterkapitalisierung der Unternehmen sowie geringen Steueraufkommen verbinden.

Daraus resultierten und resultieren unter anderem neue öffentliche Förderprogrammatiken. Diese wiederum werden regelmäßig evaluiert bzw. durch begleitende Analysen auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Ein Teil der Förderprogramme bezieht sich darauf, Hochschulen dafür zu ertüchtigen, zur Entwicklung ihrer Sitzregionen beizutragen. Mit den dazu vorliegenden Evaluationen und Studien – so darf angenommen werden – liegt ein Reservoir an handlungsbegleitend gewonnenem Wissen vor, das Erkenntnisse für die weitere Gestaltung einer abgestimmten Hochschul- und Regionalentwicklung bereithält.

Dieses Wissen war bislang ungehoben, insbesondere im Hinblick darauf, was ihnen an fallübergreifendem Wissen zu entnehmen ist. Einer entsprechenden Auswertung widmete sich eine soeben abgeschlossene Analyse. Ausgewertet wurden 68 Evaluationen, Gutachten und Studien, die von 2000 bis 2010 entstanden und sich auf einzelne Förderprojekte, Förderprogramme, Hochschulen oder Regionen bezogen.

Zentrale Ergebnisse der Auswertung sind:

  • Inhaltlich dominieren ökonomische Betrachtungsweisen. Der Handlungsbereich, Beiträge zur Bewältigung nichtökonomischer regionaler Herausforderungen zu liefern, ist dagegen wenig ausgearbeitet.
  • In der vergleichenden Betrachtung wird deutlich, dass sich die formulierten Handlungsempfehlungen stark ähneln.
  • Aussagen mit stark verallgemeinernder Aussagekraft – wie die Empfehlung, Kooperationen und Netzwerkstrukturen zu fördern – überwiegen gegenüber der Benennung konkreter Maßnahmen und Wirkungszusammenhänge deutlich. Konkrete Empfehlungen, die sich mit der Entwicklung einzelner Regionen beschäftigen und einen weiteren Blick sowie weiter reichende Maßnahmenkataloge bieten, stellen Ausnahmen dar.
  • Thematisch beziehen sich Überlegungen hinsichtlich der Effekte von Hochschulen auf die Region meist auf die Lehre und Ausbildung, Vermittlung von Absolventen sowie Kooperationen mit Unternehmen bzw. anderen regionalen Akteuren. Dabei wird meist ein Bezug zur Fachkräfteversorgung und (wirtschaftlichen) Innovationsfähigkeit der Regionen hergestellt.
  • Die Auseinandersetzung mit dem Schrumpfungsthema spielt nur in einer kleinen Zahl der ausgewerteten Studien eine Rolle. Der regionalspezifische soziodemografische Kontext wird häufig nicht oder nur unkonkret in die Überlegungen einbezogen. Dies wiederum betrifft insbesondere die Entwicklung der sog. weichen Standortfaktoren.
  • Zugleich ist die Gesamtheit der Studien ein umfangreiches Reservoir von Instrumenten zur Gestaltung von Handlungsprogrammen. Diese sind in der HoF-Publikation als Toolboxen aufbereitet.

Zitation

Romy Höhne / Peer Pasternack / Steffen Zierold (2012): Ein Jahrzehnt Hochschule-und-Region-Gutachten für den Aufbau Ost (2000-2010). Erträge einer Meta-Analyse (HoF-Arbeitsbericht 5/2012), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg, 91 S., ISSN 1436-3550