Hochschulentwicklung in den mitteldeutschen Ländern

Die Entwicklung in Ostdeutschland lässt sich mit dem Begriff der fragmentierten Entwicklung beschreiben: Herausbildung und Stabilisierung einiger Leistungsinseln bei gleichzeitigem Überwiegen der Problemregionen. Das Forschungsprogramm widmet sich einer Region, die — neben dem (politisch erzeugten) Leistungsraum Berlin/Potsdam — am ehesten in der Lage sein könnte, aus sich heraus zu selbsttragender Entwicklung zu gelangen: Die Standorte Dresden/Freiberg, Leipzig/Halle und Jena/Ilmenau stellen nicht allein Leistungsinseln dar, sondern verdichten sich zu einer mitteldeutschen Leistungsachse. Diese ist wesentlich durch ein Merkmal gekennzeichnet: Privat bewirtschaftete (wenn auch vielfach öffentlich subventionierte) wirtschaftliche Potenziale sind ebenso in hoher Verdichtung vorhanden wie öffentlich unterhaltene Hochschul- und Forschungsressourcen. Das Forschungsprogramm resümiert, wie es die mitteldeutschen Hochschulen vermocht haben, ihre Strukturen zu konsolidieren, wie sie sich in den allgemeinen Hochschulreformentwicklungen platzieren, und welche regionsstabilisierende Rolle die Hochschulen künftig spielen können. Zentrale Untersuchungsfragen sind: Welches Entwicklungsniveau wurde im Vergleich zur Ausgangslage und zu den westdeutschen Bundesländern erreicht? Mit welchen Veränderungen wird auf die demografischen, bildungswettbewerblichen und budgetären Herausforderungen reagiert? Welche Beiträge leisten die mitteldeutschen Hochschulen, um zur Entwicklung ihrer Regionen beizutragen, die durch niedrige Fertilität, negative Wanderungsbilanz, klein- und mittelbetrieblich dominierte Wirtschaftsstrukturen sowie Produktivitätsrückstände bei fragmentierten Entwicklungen gekennzeichnet sind? Mit dem absehbaren Ende der hohen Finanztransfers sind auch in Mitteldeutschland künftig vornehmlich endogene Entwicklungspotenziale zu erschließen. Dazu gehören als zentrale Schaltstellen der Regionalentwicklung die Hochschulen. Nehmen sie diese Herausforderung an, haben sie die Chance, sich einen gesamtdeutschen Vorteil als Agenturen gesellschaftlicher Innovation zu verschaffen. Aus einem Problemvorsprung kann so ein Problemlösungsvorsprung werden.

Im “Hochschulbericht Mitteldeutschland” werden die sächsischen, sachsen-anhaltischen und thüringischen Hochschulen in ihren Entwicklungspotenzialen empirisch beschrieben.

Zentrale Publikationen

Peer Pasternack (Hrsg.) (2010): Relativ prosperierend. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die mitteldeutschen Region und ihre Hochschulen. Akademische Verlagsanstalt, Leipzig, 547 S. mehr...

Robert Schuster (2009): Gleichstellungsarbeit an den Hochschulen Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens (HoF-Arbeitsbericht 5/2009), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg, 80 S. mehr...

Artikel (Auswahl)

Peer Pasternack: Hochschulen in peripheren Metroploregionen. Der Fall Mitteldeutschland, in: ders. (Hg.): Wissensregion Sachsen-Anhalt. Hochschule, Bildung und Wissenschaft: Die Expertisen aus Wittenberg, Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, S. 134-138. Download

Daniel Hechler / Peer Pasternack: Leistungsdaten und Reputation. Eine Auswertung einschlägiger Hochschulleistungsvergleiche, in: Peer Pasternack (Hg.): Wissensregion Sachsen-Anhalt. Hochschule, Bildung und Wissenschaft: Die Expertisen aus Wittenberg, Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, S. 139-145. Download