Hochschulentwicklung als Komplexitätsproblem

Die analytischen Ausgangspunkte des inzwischen abgeschlossenen Projekts waren: Hochschulreformen sind gezielte Interventionen in komplexe Systeme. Die deutschen Hochschulen gelten als überdurchschnittlich reformresistent. Aus den Erklärungen für diese Resistenz lassen sich zwei einander entgegenstehende Auffassungen extrahieren: Die eine attestiert den reformerischen Lösungsversuchen, unterkomplex zu sein, weshalb Hochschulreformen immer wieder steckenbleiben. Die andere macht den Umstand, dass die Problemlösungsansätze überkomplex seien, dafür verantwortlich, dass Hochschulreformen fortwährend unterhalb der angezielten Veränderungen enden. Wie ist angesichts dessen mit der gesellschaftlichen Anforderung umzugehen, dass auch im Hochschulsektor die Problemlösungen den aufgelaufenen Problemen entsprechen sollen? Der Beantwortung dieser Frage widmen sich sechs Fallstudien, die wesentliche Linien der aktuellen Hochschulreformprozess e in den Blick nehmen: Die ostdeutsche Hochschultransformation der 90er Jahre als Radikalintervention in ein gewachsenes System – formal abgeschlossen, aber ein intensives Nachleben entfaltend – wird als Geschichte einer Komplexitätsreduktion beschrieben. Die Internationalisierungsstrategien der deutschen Hochschulen werden zwischen Pragmatik und Innovation verortet. Auf einer Folie der Funktionen von Hochschulbildung finden sich die aktuellen Debatten um gestufte Abschlüsse abgebildet und kritisch bewertet. Hieran knüpft eine Studie zum lebenslangen Lernen als Funktionserweiterung der Hochschulen an: hochkomplexe Erwartungen werden mit den hochschulseitigen Reaktionen darauf konfrontiert. Sodann wird Qualitätssicherung als Komplexitätsproblem beschrieben und dergestalt ihre Handhabung als Zentralthema der Hochschulreform problematisiert. Damit ist zugleich der Bogen geschlagen zur sechsten Fallstudie, die sich Optionen der Qualitätsentwicklung in Europa widmet. Eine einführende Erörterung am Beginn des Bandes fixiert die übergreifende Problemstellung, und resümierende Betrachtungen am Ende destillieren die wichtigsten Antwortpotentiale aus den Fallstudien.

Zentrale Publikationen

Barbara M. Kehm / Peer Pasternack (2001): Hochschulentwicklung als Komplexitätsproblem, Fallstudien des Wandels, Beltz Verlag, Weinheim/Basel, 254 S. mehr...