Tätigkeitsprofil

Das Institut für Hochschulforschung (HoF) wurde 1996 gegründet. Es knüpfte an die Vorgängereinrichtung Projektgruppe Hochschulforschung Berlin-Karlshorst an, die seit 1991 die ostdeutsche Hochschultransformation begleitet hatte.

Als An-Institut ist HoF der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg assoziiert und dort am Master-Studiengang Soziologie beteiligt.

Am HoF arbeiten derzeit 30 Wissenschaftler/innen, unterstützt vom Fachinformationsservice, drei Verwaltungsangestellten und zahlreichen studentischen MitarbeiterInnen.

Programm

Das HoF-Tätigkeitsprofil wird durch sechs Aspekte bestimmt:

  • Hochschulforschung ist keine Disziplin, sondern ein Forschungsfeld. Dieses wird mit öffentlichen Mitteln unterhalten, weil ein Handlungsfeld – das Hochschulwesen – aktiv zu gestalten ist: Um die Rationalität der entsprechenden Entscheidungsprozesse zu steigern, wird handlungsrelevantes Wissen benötigt. In diesem Sinne ist HoF bewusst im Feld zwischen Forschung und Beratung tätig. Dabei setzt die Beratung Forschung voraus – nicht umgekehrt.
  • Das Hochschulsystem bildet einerseits den Adapter zwischen Bildungs- und Wissenschaftssystem. Andererseits trägt es zur Kopplung von kultureller und ökonomischer Reproduktion der Gesellschaft bei. Mithin ist die Integration von vier Systemlogiken zu bewerkstelligen: gesellschaftlich unterstützte individuelle Selbstermächtigung (Bildung), wissensgeleitete Erzeugung von Deutungen, Erklärungen und daraus konstruierten Handlungsoptionen (Wissenschaft), sinngebundene Orientierung (Kultur) sowie ressourcengebundene Bedürfnisbefriedigung (Ökonomie). Die Hochschulforschung muss dies systematisch abbilden.
  • Daher ist Hochschulforschung ein fortwährendes interdisziplinäres Kopplungsmanöver. Sie empfängt ihre wesentlichen methodischen und theoretischen Anregungen aus der Soziologie, Politikwissenschaft und Pädagogik/Erziehungswissenschaft. Systematisch ist sie zwischen den z.T. inhaltlich überlappenden Forschungsfeldern Bildungs- und Wissenschaftsforschung angesiedelt. Schnittstellen weist sie insbesondere zur Verwaltungs-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaft auf, daneben aber auch zu vergleichbar interdisziplinär angelegten Bereichen wie der Schul- sowie der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
  • Die Interdisziplinarität der Hochschulforschung macht eigene Nachwuchsentwicklung nötig. HoF stellt sich dieser Aufgabe, indem es Promotionsprojekte unterstützt. Alle Promovierenden des Instituts sind zugleich in die Bearbeitung von Forschungsprojekten einbezogen, um auf diese Weise einen sukzessiven Einstieg in Methoden, theoretische Ansätze und Themen des Forschungsfeldes zu erlangen.
  • HoF ist das einzige Institut, welches in den ostdeutschen Bundesländern systematisch Forschung über Hochschulen betreibt. Daraus ergeben sich besondere Projekt- und Anwendungsbezüge. Seit 2006 sind diese in das Zentralthema „Raumbezüge von Hochschulentwicklung im demografischen Wandel“ eingeordnet.

Themen

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen handlungsfeldnahe Analysen der aktuellen Hochschulentwicklung. Das Institut bearbeitet alle wesentlichen Themen der aktuellen Hochschulentwicklung:

  • Im Zentrum stehen seit 2006 Untersuchungen zu Raumbezügen der Hochschulentwicklung im demografischen Wandel. Diese knüpfen an Forschungsprogramme an, mit denen die Systemtransformationsfolgen in der ostdeutschen Hochschullandschaft und der hochschulpolitische Föderalismus in Deutschland analysiert worden waren.
  • Ebenso bearbeitet HoF Fragen der Hochschulorganisation und -governance, Qualitätsentwicklung an Hochschulen, des akademischen Personals, der Gleichstellung, der Hochschulbildung, Studienreform und Nachwuchsförderung sowie zu Forschung an Hochschulen. Damit wird nahezu komplett das Spektrum der Hochschulentwicklung und
    -forschung abgedeckt.
  • Daneben ist HoF die einzige unter den deutschen Hochschulforschungseinrichtungen, die kontinuierlich auch zeithistorische Themen bearbeitet.

Leistungsbilanzen

Neben laufenden Newsletter-gebundenen Berichterstattungen unterrichtet das Institut für Hochschulforschung die Öffentlichkeit mindestens aller fünf Jahre zusammenfassend über seine Aktivitäten und Ergebnisse.

Reinhard Kreckel / Peer Pasternack: Fünf Jahre HoF Wittenberg – Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ergebnisreport 1996–2001, Wittenberg 2002, 79 S.

Anke Burkhardt / Reinhard Kreckel / Peer Pasternack: HoF Wittenberg 2001 – 2005. Ergebnisreport des Instituts für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Wittenberg 2006, 107 S.

Reinhard Kreckel / Peer Pasternack (Hg.): 10 Jahre HoF, Institut für Hochschulforschung, Wittenberg 2007, 201 S. ISBN 978-3-937573-11-3.

Peer Pasternack: HoF-Report 2006 – 2010. Forschung, Nachwuchsförderung und Wissenstransfer am Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg, unt. Mitarb. v. Anke Burkhardt u. Barbara Schnalzger, m. Exkursen v. Anke Burkhardt, Karsten König, Peer Pasternack und Manfred Stock, Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg 2011, 90 S.; Anhang, 47 S.

Daneben hat HoF weitere Bilanzierungen mehrjährig bearbeiteter Forschungsprogramme vorgelegt:

Jan-Hendrik Olbertz / Peer Pasternack / Reinhard Kreckel (Hg.): Qualität – Schlüsselfrage der Hochschulreform, Beltz Deutscher Studien Verlag, Weinheim/Basel 2001, 341 S. ISBN 3-89271-943-8.

Peer Pasternack (Hg.): DDR-bezogene Hochschulforschung. Eine thematische Eröffnungsbilanz aus dem HoF Wittenberg, Beltz Verlag, Weinheim/Basel 2001, 315 S. ISBN 3-89271-934-9.

Peer Pasternack (Hg.): Stabilisierungsfaktoren und Innovationsagenturen. Die ostdeutschen Hochschulen und die zweite Phase des Aufbau Ost. Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2007. 471 S., ISBN 978-3-931982-56-0.

Peer Pasternack (Hg.): Relativ prosperierend. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die mitteldeutsche Region und ihre Hochschulen. Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2010, 542 S. ISBN 978-3-931982-51-1.

Peer Pasternack (Hg.): Hochschulen nach der Föderalismusreform. Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2011, 368 S. ISBN 978-3-931982-67-6.

Peer Pasternack (Hg.): Hochschul- und Wissensgeschichte in zeithistorischer Perspektive. 15 Jahre zeitgeschichtliche Forschung am Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF), Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg 2012, 125 S.

Peer Pasternack (Hg.): Wissensregion Sachsen-Anhalt. Hochschule, Bildung und Wissenschaft: Die Expertisen aus Wittenberg, Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, 225 S. ISBN 978-3-931982-88-1. Volltext

Publikationen

HoF publiziert die Zeitschrift die hochschule. journal für wissenschaft und bildung und gibt bei der Akademischen Verlagsanstalt Leipzig die Reihe Hochschulforschung Halle-Wittenberg heraus. Forschungsreports werden in den HoF-Arbeitsberichten veröffentlicht. Die Reihe „HoF-Handreichungen“ widmet sich dem Transfer wissenschaftlichen Wissens in die Praxis der Hochschulentwicklung. Ferner informiert der Print-Newsletter HoF-Berichterstatter zweimal im Jahr über die Arbeit am HoF. Quartalsweise wird der elektronische Newsletter des Instituts für Hochschulforschung (HoF) verschickt. Ein Großteil der Publikationen steht auf der Website des Instituts zum Download zur Verfügung.

Wissenschaftsinformation

HoF verfügt über einen Fachinformationsservice mit Spezialbibliothek und Informations- und Dokumentations-System zu Hochschule und Hochschulforschung (ids hochschule):

  • Die Bibliothek verfügt über ca. 55.000 Bände und etwa 146 Zeitschriften. Als Besonderheit existiert eine umfangreiche Sammlung zum DDR-Hochschulwesen und zu den Hochschulsystemen der osteuropäischen Staaten. Alle Titel der Spezialbibliothek sind über Literaturdatenbanken recherchierbar.
  • ids hochschule“ macht – unter Beteiligung zahlreicher Partner aus Hochschulen, hochschulforschenden Einrichtungen und Fachinformationseinrichtungen – Forschungsergebnisse zur Hochschulentwicklung zugänglich.

Standort

Lutherstadt Wittenberg liegt im Osten Sachsen-Anhalts, zwischen Leipzig, Halle und Berlin. Die Ansiedlung des Instituts in Wittenberg stand im Zusammenhang mit der Neubelebung des historischen Universitätsstandorts. 1502 war die Wittenberger Universität „Leucorea“ gegründet worden. Nach mehr als 300 Jahren wurde 1817 der Standort durch die Vereinigung mit der Universität in Halle aufgegeben. In Anknüpfung an die historische „Leucorea“ ist 1994 eine gleichnamige Stiftung errichtet worden. Deren Räumlichkeiten beherbergen neben HoF weitere fünf wissenschaftliche Einrichtungen.