HoF- und WZW-Berichte zu Studienerfolg im demographischen Wandel

Das Institut für Hochschulforschung (HoF) und das Wissenschaftszentrum Sachsen-Anhalt (WZW) haben das Studienerfolgsgeschehen in Sachsen-Anhalt untersucht. Die Ergebnisse lassen sich vor dem Hintergrund bestehender demografischer Entwicklungen und der Vorleistungen des Schulsystems als Ausweis der Leistungsstärke der Hochschulen Sachsen-Anhalts bewerten. Zugleich sind damit Herausforderungen markiert, denen die Hochschulen in Zukunft begegnen werden.

An mehreren Punkten erweisen sich die Hochschulen des Landes als erfolgreich:

  • Die Hochschulen Sachsen-Anhalts vermochten es, einen Zuwachs an Studierenden innerhalb von zehn Jahren um fast 50 % zu bewältigen. Das starke Anwachsen der Hochschulbildungsbeteiligung konnte bisher bewältigt werden, ohne dass Studienabbrüche deutlich zunahmen. Die Erstabsolventenquote Sachsen-Anhalts konnte mit dem stark ansteigenden Bundestrend (seit 2000 +74 %) mithalten und weiter aufschließen (+146 % in Sachsen-Anhalt). Das heißt: Die studienberechtigten Schulabsolventen Sachsen-Anhalts – hier vor allem solche mit Fachhochschulreife – konnten gut in das Hochschulsystem überführt werden.
  • Während die Zahl der Absolventen deutscher Hochschulen (mit Promotionen) von 2000 bis 2011 um mehr als 80 Prozent gestiegen ist, nahm sie in Sachsen-Anhalt um 134 Prozent zu. Betrachtet man nur die Absolventen des Erststudiums, so ist der Unterschied zwischen bundesdurchschnittlicher Steigerung der Absolventenzahlen und derjenigen in Sachsen-Anhalt noch deutlicher: bundesweit nahm die Zahl der Absolventen um 74 Prozent zu, in Sachsen-Anhalt um 141 Prozent.
  • Die Erfolgsquote Sachsen-Anhalts in mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern liegt 2 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt.
  • Die sachsen-anhaltischen Fachhochschulen liegen in den MINT-Fächern insgesamt, d.h. unter Einschluss der Ingenieurwissenschaften, über dem Bundeswert für Fachhochschulen: ein Prozentpunkt in Ingenieurwissenschaften und 15 Prozentpunkte in Mathematik/Naturwissenschaften.

Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklungen bemerkenswert. Die Hochschulen bauen wesentlich auf den Vorleistungen des Schulsystems auf. Letzteres bestimmt die zentralen Eingangsvoraussetzungen, mit denen die Studienanfänger ihr Studium beginnen. Die Schulen wiederum sind in hohem Maße von Bedingungen abhängig, die sie nicht beeinflussen können.

Grundlage der angestellten Berechnungen ist ein zu diesem Zweck neu entwickeltes Berechnungsmodell. Der Hintergrund: Studienerfolgsquoten werden vom Statistischen Bundesamt als Landesgesamtwerte veröffentlicht. Für die einzelnen Hochschulen bzw. nach Fächergruppen der einzelnen Hochschulen differenziert liegen diese jedoch nicht vor. Darüber hinaus gibt es auf Bundesebene aggregierte fächergruppenspezifische Erfolgsquoten, differenziert nach Hochschularten, aber nicht für Länder.

Auf der Grundlage dieser Basiszahlen ist das Berechnungsmodell entwickelt und angewandt worden. Unter Hinzunahme von weiteren Hochschulkennzahlen können mit diesem mittels Regressionsanalyse und den hieraus gewonnenen Koeffizienten hochschul- und fachbereichsspezifische Erfolgsquoten berechnet werden. Damit ließen sich erstmals für Sachsen-Anhalt hochschul- und fächergruppenspezifische Studienerfolgsquoten ermitteln.

Sarah Schmid / Justus Henke / Peer Pasternack: Studieren mit und ohne Abschluss. Studienerfolg und Studienabbruch in Sachsen-Anhalt (HoF-Arbeitsbericht 1’13), Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg 2013. 77 S.

Thomas Erdmenger / Peer Pasternack: Eingänge und Ausgänge. Die Schnittstellen der Hochschulbildung in Sachsen-Anhalt (HoF-Arbeitsbericht 2’13), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg 2013, 101 S.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Peer Pasternack (peer.pasternack@hof.uni-halle.de, 03491 466 147)
Justus Henke (justus.henke@hof.uni-halle.de)
Sarah Schmidt (sarah.schmid@hof.uni-halle.de , 03491 – 874 836)